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Kennst Du das?

  • Autorenbild: Vanessa
    Vanessa
  • 16. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Feb.

Hast Du auch schonmal von Menschen geträumt, die Du noch nie gesehen hast? Ich schon. Die Figur ist in meinem Traum so echt und detailreich, dass ich sie noch vor Augen habe, wenn ich aufwache. Wie nach einer echten, intensiven Begegnung. Nur: Diese Person gibt es gar nicht wirklich; ich habe sie erträumt, ganz ungeplant. Das kann manchmal echt verwirrend sein und ich frage mich dann, ob ich der einen oder anderen Traumperson doch schon einmal in echt begegnet bin, ohne sie bewusst wahrzunehmen. Vielleicht im Vorbeigehen auf der Straße, im Bus oder in einer Warteschlange an der Kasse eines Supermarktes? Oder hat meine Fantasie die Figur einfach aus verschiedenen Personen zusammengesetzt, wie ein Mosaik?

Beim Schreiben ist es anders. Die Figur ist nicht unmittelbar da, sondern entsteht langsam. Erst ist sie eher ein Gefühl, noch ganz konturlos und abstrakt. Irgendwann habe ich eine Person vor Augen. Je mehr ich über sie nachdenke oder schreibe, desto mehr Details werden sichtbar. Wie sie lacht, was sie gerne isst und wie sie sich bewegt. Hat sie eine besondere Angewohnheit? Vielleicht streicht sie sich gerne die Haare hinters Ohr oder zupft sich am Ohrläppchen, wenn sie nervös ist? Solche Details finde ich viel wichtiger als das Äußere. Denn die kleinen Angewohnheiten machen die Romanfigur natürlich – ihr genaues Aussehen hingegen darf sich jeder Leser selbst vorstellen. Wahrscheinlich sieht sie in Deiner Fantasie ganz anders aus als bei mir! Wir kennen ja alle die Enttäuschung, die Romanverfilmungen auslösen können - zum Beispiel, wenn ich mir den Helden ganz anders vorgestellt habe!

Übrigens: Wenn eine Figur besonders stark ist, dann entwickelt sie während des Schreibens ein Eigenleben. Sie weigert sich, sich zu verlieben oder möchte sich viel lieber mit dem Erzfeind vertragen, als weiter zu streiten. Oder umgekehrt. Das ist sehr faszinierend, aber ich muss manchmal wirklich aufpassen, ihr nicht zu viel Freiheit zu lassen, sonst geht der rote Faden verloren!

Und jetzt kommt’s: Wenn ich während eines Schreibprozesses in der Stadt bin oder mit dem Zug fahre, trifft mich manchmal fast der Schlag: Da sitzt, steht oder geht eine meiner Romanfiguren! Genau so habe ich sie mir vorgestellt! Das ist echt ein verrücktes Gefühl: Fantasie trifft Realität. Und Realität trifft Traum.


 
 
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